Was für ein Samstag! Am Abend war ich bei “1968 – Ein szenisches Projekt”. Es ist eine Theater-Aufführung von Studierenden der Theaterwissenschaft. Auf dem Flyer haben sie die berühmte Pose aus der Kommune 1 nachgestellt, bei der alle nackt mit dem Gesicht zur Wand stehen. Außerdem hat Rebekka Mairon einen Filmbeitrag für die aktuelle Campus-TV Sendung gemacht, der mich neugierig gemacht hat. Also bin ich da natürlich hin.

Es war anders als erwartet. Die Studenten schufen einzelne Szenen und spielten dann in diesen Szenen. Dadurch entstand eine Kollage aus verschiedenen Bildern, bewegten Bildern, die sich zu einem Gesamtbild verdichteten. Am Anfang stand der Einzug in die Kommune, Matratzen wurden herbeigeschafft, die Küche eingerichtet, Schreibmaschine, Möbel und ein Schlagzeug herbeigeräumt. Dazu hörte man typische Dialoge für einen Einzug, man war plötzlich mittendrin in der Kommune: “Wie sollen wir denn hier für alle kochen? Wo sollen wir den schlafen? Wie organisieren wir das alles?” – Konnte man sich gut vorstellen, dass die sagenumwobene Kommune auch mit solchen Banalitäten ringen musste. Insgesamt kam bei mir diese Botschaft an: Wir müssen uns aufbäumen, aktiv werden, demonstrieren. Aber wogegen? Wofür?
Fast hilflos wurden Ideale herbeigezerrt: Gegen den Konsum, für eine bessere Welt.. Wenig überzeugend, wenn ich ehrlich bin. Ein Gefühl der Niedergeschlagenheit machte sich breit in der Kommune.
Immer wieder traten einzelne Schauspieler vor und berichteten von ihrem Leben in 2008. Von Sorgen und Ängsten, von Lebensformen in Zweck-WGs und mit dem Freund zusammen. Darin habe ich mich sehr wiedergefunden. Und war erstaunt, dass es anderen auch so geht. Das man nicht so recht weiß, was aus einem wird, wenn das Studium fertig ist, zum Beispiel. Das ist kein Gejammer, sondern eher ein Fragezeichen, das auch bei den Schauspielern zu bemerken war.
Das Schauspiel war auch teilweise sehr skurril – in den Raum hineinschreien, auf dem Boden wälzen und sich mit Orgasmus-Problemen auseinandersetzen. War das 1968? Ich war nicht dabei – ich weiß es nicht.
Interessant war es allemal. Wenn auch ein wenig befremdlich.
Am besten gefallen hat das Marx Zitat mit dem Gedanken, die zur Wirklichkeit streben.. wer sich auskennt weiß jetzt Bescheid – und die Metapher vom Nebel: Das die Wirklichkeit in einem Nebel verhüllt ist, dass man gar nichts klar sehen kann. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre das damals einfacher gewesen, die Ziele müssen klarer gewesen sein als heute.
Prädikat: Regt zum Nachdenken an.
Schaut euch auf jeden Fall den Beitrag bei Campus-TV an! Er ist Bestandteil der aktuellen Sendung, man muss sich nur ein bisschen durchklicken. Da gibt es viele bildliche Eindrücke und Hintergrundinfos.
Ansonsten sei hier noch auf die Homepage zum Theater-Projekt 1968 verwiesen. Sehr empfehlenswert!
P.S. Kommentare erwünscht!
P.P.S. Hier noch die Termine für weitere Aufführungen:
21.09.2008 KUZ Mainz
22.09.2008 KUZ Mainz